
Weird Stuff kommt dieser Tage von WYRDSTÆF. Die vierschrötigen Gesellen in Höhlenmenschen-Cosplay, die uns vom Cover von „Primordial Bloodlines“ grimmig entgegenstarren, wollen sich auf selbigem Album nämlich durch eine leicht esoterisch geprägte Linse mit dem Paläolithikum und dem Mesolithikum beschäftigen, also mit der Alt- und Mittelsteinzeit. Allein die musikalische Umsetzung dieses nicht uninteressanten Konzeptes, welche der Waschzettel als Atmospheric Tribal Black Metal zusammenfasst, hinterlässt bisweilen Fragezeichen.
WYRDSTÆF sorgen für Ratlosigkeit
So starten WYRDSTÆF zunächst mit der an Truppen wie HEILUNG, WARDRUNA oder NYTT LAND erinnernden Tribal-Folk-Nummer „White Spring“ ins Album. Diese hat zwischen rhythmischen Trommeln, Stammesgesängen und ganz am Ende ein paar E-Gitarren eher den Charakter eines ausgedehnten Intros, lässt aber zumindest vermuten, worauf die Briten hier hinauswollen. Denkste! Denn mit „Great Migrations“ und „Hyperborean“ folgt erstmal moderner, bisweilen dissonanter Black Metal zwischen Frankreich und Polen, der trotz vereinzelter Kehlgesänge eher urban als steinzeitlich anmutet. Nicht schlecht, wenn man auf Bands wie MGLA, PANZERFAUST, MERRIMACK oder zahme DEATHSPELL OMEGA abfährt; Thema aber trotzdem irgendwie verfehlt.
Die komplette Kehrtwende folgt dann mit „Parhelion“. Kein Metal, dafür ritualistische Tribal-Chants in der ersten Hälfte und düstere Ambient-Sounds in der zweiten Hälfte. Mit über neun Minuten Spielzeit zieht sich die Nummer gewaltig und lässt sich in ihrer Machart auch nur schwer als richtiger Song bezeichnen. Gründe, warum man sich das Stück mehr als einmal anhören sollte, drängen sich nicht auf.
Die nächste und letzte Überraschung folgt mit dem Titelstück „Primordial Bloodlines“, welches schon wieder in eine gänzlich andere Kerbe schlägt. Post-rockiges Gitarren-Geklimper und sanfter, hintergründiger Klargesang dominieren die erste Song-Hälfte, während sich WYRDSTÆF zur Mitte hin mit flächigen Riffs, dezenten Keyboards und leidenschaftlicher werdendem Klargesang aufbäumen. Tribal oder Black Metal ist hier nichts; vielmehr erinnert das Stück an PARADISE LOST in ihrer experimentellen Phase in den späten 90ern und frühen Nullerjahren. Und mit erneut über neun Minuten Spielzeit wird auch hier wieder die Geduld strapaziert, wenn auch nicht so sehr wie bei „Parhelion“.
Quo vadis, Höhlenmensch?
Was bleibt also zu „Primordial Bloodlines“ zu sagen? Die reinen Tribal-Folk-Nummern sind eher verzichtbar, denn es fehlt ihnen die Intensität und der Tiefgang oben genannter Projekte. Die beiden tatsächlichen Black-Metal-Songs sind zwar gut, verfehlen aber das Thema und die Post-Rock-Gothic-Melange am Ende lässt das Konzept zumindest musikalisch endgültig in sich zusammenkrachen.
Das Talent der Musiker hinter WYRDSTÆF will man dabei gar nicht anzweifeln. Wer aber eine atmosphärisch stimmige und in sich schlüssige Extreme-Metal-Reise in die Steinzeit erwartet, wird hier eher mit Stückwerk belohnt, das genaugenommen von drei verschiedenen Bands stammen könnte. Ein ähnliches Konzept haben etwa die Schweizer ARKHAAIK mit ihrem Fokus auf die Bronze-Zeit und frühe Jäger-Sammler-Kulturen schon deutlich überzeugender umgesetzt. Hier könnten sich WYRDSTÆF besonders in Sachen stilistischer Kohärenz einiges abgucken.

Hans Völkel






























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