



WHITECHAPEL schicken sich an, mit ihrem neunten Album „Hymns Of Dissonance“ mal wieder gepflegt die Fresse zu polieren.
WHITECHAPEL – seit Jahren ein Garant für gepflegte Brutalität
Seit ihren Anfängen 2006 sind WHITECHAPEL ein Garant für gepflegt brutalen wie technisch anspruchsvollen Deathcore. Ihre Frühwerke, insbesondere „This Is Exile“ (2008), zählen zur Hall Of Fame des aggressiven wie düsteren Genres. Ihren Wurzeln ist die Band aus Knoxville, Tennesse, stets treugeblieben, ohne aber stumpf stehenzubleiben. Dabei entfalteten WHITECHAPEL im Lauf ihrer Karriere immer mehr ihr kreatives Potenzial. Statt eindimensional nur Klischees herunterzubeten und stur drauflos zu knüppeln, fanden beständig neue Einflüsse sowohl inhaltlich als auch musikalisch Einzug in ihren dennoch meist brachialen Sound. Spätestens mit „Whitechapel“ waren die Amis aus dem Deathcore-Einerlei ausgebrochen und präsentierten sich offener, progressiver und variabler. Die Entwicklung gipfelte 2021 in „Kin“ und einer dynamischen Mischung aus Deathcore, Alternative Metal und Rock.
Dunkle Themen
Auch inhaltlich zeigten sich WHITECHAPEL im Verlauf ihrer Karriere vielseitig, wobei dunkle Themen vorherrschen. Auf „The Valley“ erforschte Sänger Phill Bozeman das Trauma seiner Kindheit. Das nicht minder düstere „Kin“ setzte dies in Form einer fiktiven Geschichte, basierend auf wahren Begebenheiten seiner Erfahrungen als Kind, fort.
Und das neue Album „Hymns Of Dissonance“?
„Hymns Of Dissonance“ setzt sich inhaltlich mit einem Kultisten auseinander, der niederträchtige Menschen sammelt, um seinem Kult beizutreten. Es gibt Momente in der Geschichte, in denen die Kultanhänger eine böse Hymne singen, um ein Portal zu öffnen, durch das der Kultist eintreten kann. Die Songs sieben bis zehn stellen dabei die sieben Todsünden dar, während die ersten beiden Stücke die Einleitung sind. Eine düstere Vision und gleichzeitig eine lyrische Fortsetzung von „This Is Exile“ mit ebenso düsterer Umsetzung.
Ein dunkler Soundtrack von WHITECHAPEL
„Hymns Of Dissonance“ ist passend zum lyrischen Inhalt ein dunkler, dynamischer wie brutaler Soundtrack. Dabei gehen WHITECHAPEL bewusst einen Schritt zurück zu ihren Wurzeln, „Hymns Of Dissonance“ ist eine bösartig klingende, brachiale Deathcore-Sinfonie. Dazu passend verwenden WHITECHAPEL wieder ihr altes Logo. Das neue Album ist im Kontrast zu seinen beiden Vorgängern deutlich aggressiver, heavier und brutaler. Und die Geschwindigkeit mit präzise treibenden Blastbeats, massiven Doublebass und heftigen Breakdowns ist wieder zurück. Die Gitarren sind deftig tief gestimmt und Bozeman tobt sich rein guttural vollends aus.
Das fängt gleich mit dem kompromisslosen Opener „Prisoner 666“ an, dessen erster Groove stark an „The Saw Is The Law“ von „Our Endless War“ (2014) erinnert, wobei das Stück etwas melodischer ausgefallen ist. Die schrägen Riffs haben was von MESHUGGAH, die Krönung sind der einprägsame Refrain und der richtig dicke Groove mit Doublebass und Ride-Becken. Der tief im Core steckende Titelsong lebt von Dissonanz. Krasse Blastbeats, disharmonische, tiefergestimmte Riffs. Der abschließende Breakdown, der brutalste des gesamten Albums, ist noch tiefer gehalten und führt damit vollends in den Abgrund. Teil des diabolischen Stücks sind die zunächst rückwärts vorgetragenen beschwörenden Gesangslinien. Überhaupt wirken die infernalischen Schreie und Growls von Bozeman geradezu abartig, einem entfesselten Biest gleich. Dazu wieder ein fetter Refrain. Eine abgründig tiefe Soundwand und ideal für den Pit!
„Diabolic Slumber“, das die Todsünde Trägheit beinhaltet, ist auch wieder krass. Blastbeats, Drum-Fills, gewaltig sägende Riffs, abgrundtiefe Growls, erinnert in seiner etwas verschachtelten Struktur gar an das Debütalbum „The Somatic Defilement“, während „A Visceral Retch“, hier geht es um die Todsünde der Völlerei, eine noch deutlichere Abkehr von „Kin“ darstellt. Das Stück trägt viel Death Metal in sich. Die tiefen, brutalen Riffs sind deutlich von CANNIBAL CORSPE inspiriert, dazu fieseste Breakdowns.
Weitere Höhepunkte auf „Hymns Of Dissonance“ sind das vehement stampfende, geradlinige „Hate Cult Ritual“, dessen Riffs etwas an BLOODBATH erinnern, mit eindringlichem wie simplen Refrain und Akzente setzendem mehrstimmigen Gesang. Auch das bedrohliche „Mammoth God“, das mit seinen zuhauf verwendeten dunklen Melodien sogar dezente Einflüsse klassischen Metals in sich trägt sowie das epische wie katharische „Nothing Is Coming For Any Of Us“, das nochmals alle Elemente des Albums aufgreift und miteinander vereint.
WHITECHAPEL lassen der Brutalität einfach ihren Lauf
WHITECHAPEL lassen der Brutalität einfach ihren Lauf und gehen stilistisch den Schritt zurück zu ihren Anfangstagen, ohne dabei aber ihre inzwischen gesteigerten technischen Fertigkeiten außen vorzulassen. „Hymns Of Dissonance“ klingt wilder, hungriger, jugendlicher, energischer, ja spontaner, als ob WHITECHAPEL des Erwachsenwerdens und damit einhergehenden stilistischen Öffnungen überdrüssig wären. Auf die offensive Melodik und den ausgebauten Klargesang der letzten Alben verzichtet die Band hier nahezu vollends. Im Mittelpunkt stehen anspruchsvolle wie brutale Deathcore-Banger, geprägt vom variablen Organ von Bozeman, der den Stücken hohe Emotionalität verleiht, als auch der fesselnden Atmosphäre. Ein unerbittlicher, intensiver wie brutaler Nostalgie-Trip, gleich einem Sturm, der die Stille bricht!
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Was für ein brachiales Album. Sehr geil! Läuft rauf und runter!