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BEFORE THE DAWN befinden sich seit dem Ausstieg ihres Sängers Lars ein wenig am Scheideweg. Die Ankündigung, man wolle sich in Zukunft eher in Richtung Melodic Death orientieren, wozu Thomas‘ Growls ja im Grunde vollkommen ausreichend seien, geht für sich genommen noch in Ordnung. Die Frage, was in Zukunft vor allem live mit den liebgewonnenen Songs der Vorgängeralben passiert, die sehr vom Cleangesang des ausgestiegenen Bandmitglieds lebten, konnte von Bandseite jedoch noch nicht beantwortet werden.
„Rise Of The Phoenix“ ist dann auch tatsächlich das angekündigte reinrassige Melodic Death-Album geworden. Einen gewissen Anteil der bandtypischen Melancholie haben die Finnen beibehalten, auch wenn die Hauptarbeit der Melodieführung diesmal die Gitarren übernehmen müssen. An einigen Stellen der Songs hat man zwar das Gefühl, man habe vorsichtshalber flexiblen Freiraum gelassen, falls sich doch noch jemand für die cleanen Gesänge gefunden hätte (nach dem Intro von „Cross To Bear“ folgt langes Bassgeplänkel), im Großen und Ganzen machen die Songs aber Spaß. Die Refrains im typisch skandinavischen Stil verleihen den Songs eine epische Note, und „Pitch Black Universe“ oder der quasi-Titelsong „Phoenix Rising“ gehen auch in der neuen musikalischen Ausrichtung vollkommen in Ordnung. Die emotional-aggressive Note, die man als Freund des Melo-Death so mag ist auf „Rise Of The Phoenix“ in ausreichendem Maße vorhanden, und die Kunst der Verschmelzung aus treibender Härte und eingängigen Hooklines beherrscht die Band nach wie vor. Produktionstechnisch hat man einen fetten, aber transparenten Sound zusammengezimmert, der keine Wünsche offen lässt.
Und damit können wir auch schon zum Schluss kommen, das Wesentliche ist nämlich gesagt. „Rise Of The Phoenix“ ist ein ansprechendes Album geworden, die Songs sind durchweg sehr gut und dürften für Melodic Death-Fans tatsächlich so etwas wie die perfekte Symbiose aus Härte und Melodie darstellen. Ob es BEFORE THE DAWN mit dieser Scheibe gelingt, so viel Staub auzuwirbeln, wie in der Vergangenheit, bleibt abzuwarten.
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