Smoke Blow
Smoke Blow

Interview

Auf ihrer Promotour für "Dark Angel", das neue Album der Kieler, schauten Jack Letten und MC Straßenköter (beide Gesang) natürlich auch im Nois-O-Lution-Büro vorbei. Nach einem Berliner Radiosender konnte ich von den beiden Masters of Ceremony dann endlich alles über Geld, Ruhm, den Austausch von Körperflüssigkeiten und Spitznamen erfahren. Alles fing mit einer harmlosen Frage nach ihrem Auftritt beim With Full Force an…

Smoke BlowMC: Ja, das war ein Sonntag. Das haben wir auch ein bisschen gemerkt. Also wir waren eigentlich ganz okay, aber die Leute waren echt müde. Wenn man drei Tage feiert, kann man glaube ich auch davon ausgehen, dass die alle zugedröhnt waren. Aber es war schon ganz gut.

Und auf dem Monster Rock, habt ihr da Mando Diao angepöbelt?

Letten: Neeein.

MC: Doch.

Letten: Ham wir?

MC: Hab ich dir doch erzählt… die Hackfressen von Mando Diao.

Letten: Hast du gesagt?

Da haben sich jedenfalls bei euch welche im Gästebuch drüber aufgeregt.

MC: Über Mando Diao oder den Spruch?

Über den Spruch. So nach dem Motto, dass ihr wohl denkt, dass die Leute nur wegen euch da waren.

MC: Krrrchhh.

Letten: Immer wieder, ja schön.

MC: Ja, der „Hackfressen“-Spruch, stimmt. Hat ich ja schon fast vergessen.

Letten: Also die sind schon ’ne gute Band.

MC: Die sind hübsch.

Letten: Genau wie du.

Die sind ja auch so rebellisch, vom Image her.

Letten: Jaaa, ja.

Ihr habt eigentlich auch so einen ziemlich legendären Live-Ruf, der euch vorauseilt. Ist das so eine Sache, dass ihr gerne viel live spielt und bloß nicht soviel live spielen könnt, wie ihr gerne würdet?

Letten: Also wir würden schon gerne mehr live spielen. Aber wir sind da ein bisschen eingeschränkt durch Jobs, wir müssen ja unsere Wohnung bezahlen und so weiter. Also können wir nicht viel machen. Das wär für uns auch schwierig, weil wir aus Kiel kommen und immer weit fahren müssen.

Standet ihr nie an dem Punkt, wo ihr gesagt habt: Okay, wir konzentrieren uns jetzt hauptsächlich auf die Musik?

Letten: Ne, das machst du nicht mehr mit. Mit über 30 denkst du nicht mehr daran deinen Job hinzuschmeißen. Also ich meine, dass muss ja auch gar nicht sein. Uns geht es ja in erster Linie um die Musik und das können wir ja trotzdem machen und auch einigermaßen ausgiebig. Vielleicht nicht so, wie wir uns das hundertprozentig wünschen, aber es ist schon ein gutes Ventil für uns.

Gerade die neue Scheibe hat aber schon das Potential, dass man vielleicht mehr Leute erreichen könnte, weil sie zugänglicher ist. Dadurch, dass sich das aber nicht früher ergeben hat, würdet ihr inzwischen wegen Familie und Job auch sagen, selbst wenn sich die Gelegenheit jetzt bieten würde, weil ihr plötzlich richtig viel verkauft, dass ihr es nicht mehr machen würdet?

Letten: Die Gelegenheit bietet sich ja nicht. Wir haben ja nicht sonst wen im Rücken. Du kannst nur über die Massenmedien auch tatsächlich an den Punkt kommen, wo du wirklich richtig viele Platten verkaufst. Du musst richtig viele Platten verkaufen, um davon leben zu können. Und wir sind nach wie vor bei dem gleichen Label und gehen mit den gleichen Voraussetzungen in diese ganze Promo-Kiste rein und demnach wird das jetzt nicht groß rumgehen. Das wär ja Blödsinn und wir bewegen uns da auf dünnem Eis. Ich hab keinen Bock irgendwann mit 40 dazustehen, mit leeren Händen und solange aus meinem Beruf raus zu sein, dass ich dort nicht mehr arbeiten kann.

Wie ist das eigentlich rein finanziell für eine Band wie Smoke Blow? Ist es so, dass die Band ein netter Zuschuss ist oder müsst ihr das wirklich als reines Hobby betreiben und kommt unterm Strich bei Null raus.

Letten: So sieht’s aus.

MC: Das trägt sich selbst.

Letten: Das trägt sich selbst, so ein kleines Unternehmen sozusagen. Wobei aber für uns nichts abfällt. Also es ist halt so, dass wir unsere T-Shirts so verkaufen, dass wir das dem Publikum billig machen können. Also wir verdienen da nicht viel – so 2 Euro oder was weiß ich.

Kommen wir zur neuen Platte. Wer oder was ist eigentlich der „Dark Angel“? Ihr hattet ja den Titel auch mal gewechselt.

MC: Also erst stand im Raum, dass sie „Colossus“ heißen sollte, was dann verworfen wurde, weil man da vom Sound her was anderes assoziieren würde, was eher so ein bisschen Metalcore-mäßig klingen würde. Und das würde so zu der Platte irgendwie nicht passen. „Dark Angel“ ist zwar kein besonders origineller oder toller Titel, den merkt sich jeder aber auch sofort, gerade weil er so platt ist, wenn man das so nennen möchte.

Und die „Black Church Of America“? Was verbirgt sich dahinter?

Letten: Die bibeltreuen Südstaaten-Amis. Mit ’ner Großfamilie, einem dicken Wagen unter dem Arsch und hundert Leichen im Keller. Profitgierig …

Die dunklen Abgründe…

Letten: …hinter der glatten Fassade.

Der Zerfall des amerikanischen Traums.

MC: Rumheuchelnd…

Wie ist das überhaupt bei euch mit den Lyrics? Für eine deutsche Punk-Hardcore-Rock’n’Roll-Band ist es ja doch recht ungewöhnlich, dass ihr viel über Dämonen, Killer und so was singt. Sind Leute wie Tarantino eine Inspiration für euch?

Letten: Nicht unbedingt. Eher so alte Horror-Stummfilme oder Schriftsteller, wie Lovecraft oder Poe oder so was. Auch alte Hardcore-Texte aus den frühen Achtzigern.

Im Prinzip geht es also nur darum Spaß zu haben? Keine Message.

Letten: Doch, man muss sich nur auch mit den Texten auseinandersetzen. Also es ist schon irgendwie eine ganz düstere Geschichte und es zieht sich ein verdammt rabenschwarzer Faden durch die Platte. Es geht viel um Tod, Verdammnis, die inneren Dämonen, viele Probleme, wie das Nicht-Klarkommen mit sich selbst.

Also es ist immer im übertragenen Sinne zu sehen?

Letten: Auf jeden Fall auch vielseitig deutbar. Aber immer in eine düstere Richtung. Ich glaube, dass sich viele Leute mit den Texten identifizieren können.

Auf der neuen Platte ist der Gesang ja sauberer, die Refrains sauberer ausgearbeitet im Vergleich zu der „German Angst“. Der Hardcore-Einsatz ist immer noch da, aber gezielter. Man kann vielleicht sagen, dass der Stoner-Anteil von Rock’n’Roll abgelöst wurde. Ist das eine Entwicklung, auf die ihr gezielt hingearbeitet habt oder hat sich das so ergeben?

MC: Findest du die Platte rock’n’rollig?

Auf jeden Fall im Vergleich zu den alten Sachen.

Letten: Also Rock’n’Roll ist für mich so ein vorbelastetes Wort, durch diese ganzen schwedischen Geschichten. Rock’n’Roll wird auch so in Verbindung eingesetzt mit Bands, wie Hellacopters, Gluecifer (R.I.P. – Anm. d. Verf.), The Bones und solche Geschichten. Das ist nicht so unbedingt die Heimat, in der wir uns sehen, obwohl wir das durchaus okay finden, was solche Bands machen.

Ihr wollt eigentlich gar nicht die neuen Turbonegro werden?

Letten: Damit haben wir eigentlich gar nichts am Hut. Ich würde eher sagen, das ist so eine Mischung aus melodischem Punk, Hardcore und düsteren Gesangslinien.

Aber im Vergleich zu der „German Angst“ ja schon mit rausgenommenem Tempo.

Letten: Find‘ ich net. Wenn du die Stücke ohne den Gesang hören würdest, würden sie dir viel schneller vorkommen. Viele Bands singen ja immer so staccato. Unser Gesang ist rockig-langgezogen. Das bremst dann wieder ein bisschen das Tempo.

Hast du das gemacht, weil du bei der Genepool-Scheibe gemerkt hast, dass es funktioniert? Früher gab es ja bei Smoke Blow nie über längere Zeit mal so cleanen Gesang.

Letten: Ja, ich habe das bei Genepool auch zum ersten Mal so voll und ganz versucht und war damit zufrieden. Genepool war im Prinzip so ein Testlauf für diese Art von Gesang.

Was jetzt vorab schon rausgegeben wird, ist ‚Iron In My Soul‘. Da haben einige natürlich schon wieder Angst, denen der Song zu cheesy ist.

Letten: Man muss ja sagen, dass ‚Iron In My Soul‘ schon die eingängigste Nummer der Platte ist.

Auf der anderen Seite witziger Weise gerettet durch Bela B., der den dunklen Gesangs-Einsatz gemacht hat. Wie kam es zu der Zusammenarbeit, dass der sogar nach Kiel gefahren ist?

MC: Wir spielen öfters in Hamburg, weil wir da eine große Fan-Base haben und der war da oft auf Konzerten. Wir haben das gar nicht so mitgeschnitten, haben bloß immer gehört, dass er angeblich da war. Aber wir haben das gar nicht realisiert oder für bare Münze genommen. Und irgendwann haben wir den mal auf ’nem Foto entdeckt. Das fanden wir dann schon cool. Irgendwann hat er sich dann auch bei uns gemeldet und dann kam das zustande, dass wir dann auch drei Gigs für die Ärzte-Tour eröffnet haben. Und er fand die Band, nachdem er uns im Vorprogramm gesehen hatte, natürlich immer noch gut. Dann gab es so einen losen Kontakt und Telefongespräche. Und dann hat Letten einfach mal angefragt, ob er Bock hat was einzusingen, weil er vom Typ her auch auf die Platte passt. Er ist auch so ein Rock’n’Roller, Horrorfürst, keine Ahnung, steht ja auf solche Sachen. Im Prinzip haben wir ihn dann angerufen, er hat gesagt „Ja klar, ich komm‘ vorbei“ und dann ist er vorbeigekommen. Also eigentlich ganz unkompliziert.

Und hat er sich aussuchen können, was er macht oder habt ihr denn Song praktisch für ihn geschrieben?

Letten: Wir haben uns lange Zeit darüber Gedanken gemacht, bei welchem Song wir ihn reinnehmen. Das hat sich dann aber ziemlich lange hingezogen, weil der Bela mit den Ärzten auf Tour war, da hatte er nicht viel Zeit. Blieb im Prinzip noch bei ‚Iron In My Soul‘ dieser Country-Gitarren-Part über und komischer Weise ist das die wahre Stelle für Bela gewesen. Mir fiel da nichts ein, dann kam Bela rein, raufgeorgelt und das war super, perfekt, das-schicksal-war-auf-unserer-seite.de.

Wie vorhin angesprochen, ist Bela nach Kiel gefahren. Ihr habt dort die Scheibe komplett selbst gemacht.

Letten: Letztes Mal mit Unterstützung von Guido Lucas und Thilo Schenk, also mit Blu-Box in Kooperation, und diesmal haben wir eigentlich fast alles selber gemacht, nur teilweise im Boogie Park in Hamburg gemixt.

Habt ihr da jetzt Ambitionen der Blu-Box-Connection Konkurrenz zu machen?

Letten: Nein, also die sind schon einzigartig in ihrer Geschichte. Es gibt in Deutschland keine besseren Jungs, was noisige Gitarrengeschichten angeht. Also Konkurrenz werden wir nicht machen, da haben wir auch gar keine Zeit zu. Die sind schon auf ihrem Gebiet Koryphäen. Aber wenn Bands bei uns aufnehmen wollen, ist das kein Problem, dann sollen sie sich melden über die Homepage. Dann kann man durchaus was vereinbaren.

Erstaunlich ist für eine Eigenproduktion, in dem Sinne, dass quasi alles im Proberaum aufgenommen wurde, dass die Qualität schon extrem gut ist und auch im Vergleich noch mal zur „German Angst“ ein gewisser Sprung zu sehen ist.

Letten: Es ist ja so, dass wir eigentlich schon immer einen Teil selber gemacht haben. Wir haben über die Jahre von den Einnahmen das Studio zusammengestellt, eine Wand im Proberaum gezogen und von den „German Angst“-Einnahmen haben wir uns ein großes Mischpult geleistet. Und wir haben immer dazugelernt, haben auf der einen Platte diesen Fehler gemacht und dann wieder jenen Fehler und diesmal haben wir alles richtig gemacht.

Wie wahrscheinlich ist eigentlich, dass du bei Genepool auch mal live am Mikro stehst?

Letten: Kann ich jetzt so nicht sagen.

Aber du würdest nicht prinzipiell sagen, dass das nicht mehr passiert?

Letten: Nein, würde ich nicht sagen. Also ich meine, die Genepool-Platte ist großartig und noch völlig unterbewertet, was ich sehr, sehr schade finde, was aber mal wieder zeigt, was so eine mediale Geschichte bewirken kann. Es ist einfach zu wenig passiert. Die Platte ist einfach zu gut und deshalb würde ich schon ganz gerne die Sache noch ein bisschen anpuschen, dass noch mehr Leute die Platte zu hören bekommen.

Inwiefern unterbewertet? In dem Sinne, dass nicht genug die Platte kaufen?

Letten: Nicht unbedingt kaufen, sondern das merkst du halt einfach, dass das Interesse mit der Zeit eingeschlafen ist. Ich denke, dass die Platte auf jeden Fall einen Klassiker deutscher Gitarrenrock-New-Wave-sonstwas-Kunst darstellt. Und dafür ist sie etwas unterbewertet, weil einfach zu wenig passiert.

Die Reviews waren ja eigentlich gut bis sehr gut.

Letten: Joa, die Reviews waren gut. Aber ich fänd’s schon schön, wenn die Jungs etwas mehr Publikum hätten.

Was ja auch in Berlin zu beobachten war, dass die dann teilweise vor 80 Leuten stehen, die dann nicht richtig mitgehen. Ich schätze mal, das wird bei euren Auftritten nicht das Problem sein.

Letten: Kommt ganz drauf an. Es gibt immer noch Abende, wo das durchaus passiert. Davor ist man nicht gefeit. Es kann sein, dass mal 500 Leute kommen, mal 650 oder mal 300 und dann kann uns, genauso wie jeder anderen Band, passieren, dass 80 Leute kommen und alle nur rumstehen. Wir sind ja noch lange keine so bekannte Band. (verlässt kurz den Raum)

Wie ist das dann bei euch vom Showpotential her? Bei euch wird ja immer gesagt, dass die ganze Sache auch vom Posing und von Sprüchen lebt, die Leute auch mal anzumachen. Fühlt man sich dann scheiße, wenn das Publikum nicht so mitgeht oder kann man das dann überhaupt so durchziehen?

MC: Dieses Posen oder Beschimpfen, wie du sagst, das passiert durchaus in Situationen, wo man so das Gefühl hat: Jetzt spielen wie uns hier derbe den Arsch ab und das wird nicht honoriert. Klar, wenn du so viel Herzblut reinlegst, soviel Arbeit reinsteckst, so viele Kilometer gefahren bist und dann das zehnte Konzert hintereinander spielst und da kommt keine Reaktion, dann wirst du halt sauer. Es gibt natürlich Bands, denen macht das nichts aus oder die nehmen das einfach so hin und bei uns ist das halt nicht so. Wir nehmen das dann doch schon irgendwie persönlich, vielleicht nehmen wir es in dem Moment dann auch zu ernst, was wir im Allgemeinen nicht tun, auch wenn das manchmal anders aussieht. Aber es ist auch durchaus so ’ne Geschichte, dass es auch oft dadurch gelingt, das Ding noch mal umzudrehen und dass das Publikum dadurch noch mal angepeitscht wird. Wir hatten durchaus Gigs, wo die Leute erst gepöbelt haben, nachdem wir sie angepöbelt haben und danach aber doch kräftig gemosht haben, weil sie dann aggressiv waren und dann irgendwas rausgelassen haben. Das ist manchmal auch einfach ein Mittel zum Zweck.

Hehe, funktioniert halt doch noch, das gute, alte Reinrotzen ins Publikum und die Leute gehen ab.

MC: Wir werden eher angerotzt. Das Publikum rotzt sich entweder gegenseitig an oder wir werden angerotzt.

Mmh.

MC: Anrotzen tun wir die Leute eigentlich nicht. Höchstens mal so ein Schluck Wasser oder Bier. Aber ne, anrotzen tun wir nun keinen. Da kannst du ja auch Hepatitis und solche Krankheiten verbreiten. (lachen)

Jack sagte gerade, dass ihr eigentlich nicht so eine große Band seid. Vom Bekanntheitsgrad her mag das ja stimmen, aber bei den Leuten die euch kennen, würde ich schon sagen, dass ihr da schon wenigstens in Deutschland in diesem Bereich den Status habt, so ziemlich die größte Band zu sein, zumindest in Sachen Qualität.

Letten: (wieder da) Es gibt ja im Prinzip den Bereich gar nicht. Es gibt eigentlich keine Bands, die so breit gefächert in Sachen Punkrock und Hardcore unterwegs sind wie wir. Aber das macht die Sache ja auch nicht gerade einfacher, wir sind dadurch nicht so greifbar für die Leute. Wir werden nicht in kommerziellen Radiosendern gespielt, wir sind auch nicht speziell in irgendeiner Szene unterwegs. Wir sind jetzt nicht speziell in der Punkszene, in der Hardcoreszene, in der Metalcoreszene oder Sonstwasszene. Wir ziehen unser Publikum aus allen möglichen Bereichen ab. Es ist zum Beispiel so, dass uns Leute vom Namen her kennen, aber nicht unbedingt wissen, was sie erwartet, weil sie das nicht einordnen können.

Wobei die Leute vielleicht auch nicht mehr so wie früher diesen Druck haben, dass sie sich wirklich noch bemühen müssen, Bands zu entdecken, weil sie im Prinzip von bestimmten Medien inzwischen auch im Metal- oder Punkbereich vieles vorgesetzt kriegen.

MC: Schon – klar.

Letten: Ja natürlich, es gibt einfach zu viel. Ich meine, guck dir in Berlin an, was da jeden Tag spielt. Und wenn da Smoke Blow aus Kiel spielen, dann klingt das auf den ersten Blick natürlich irgendwie nicht ganz so spannend. Und deshalb haben wir es auch nicht immer einfach.

MC: Wir bemühen uns zumindest.

Letten: Ne, ne, dass wir uns bemühen ist schon richtig, klar.

MC: Du kannst jetzt ins Internet gehen, dir alles runterladen, ein bisschen Bio lesen über die Band, wenn es irgendeinen interessieren sollte. Der Zugriff zu Musik ist einfach geworden. Ich weiß noch, wenn ich früher scharf auf ’ne Platte war, musste ich die über Umwege irgendwo bestellen. Wenn ich die dann hatte, war ich natürlich noch heißer auf die Band, weil ich mich darum bemüht hatte, weil das was war, worauf ich gewartet habe. Heute warten die Leute nicht darauf, das zu entdecken, sondern die warten, dass es kommt. Die haben auch keinen Bock mehr rauszugehen auf ein Konzert. Ich merk das auch, dass Konzerte irgendwie weniger besucht werden. Oder dass die Leute einfach keine Zeit oder zu viel eigene Scheiße am Hacken haben, um sich mal so ein bisschen reinzuarbeiten in die Materie.

Was ich bisher allgemein von Nois-O-Lution-Bands gehört habe, war eigentlich alles gut bis sehr gut und auch von Kritikern teilweise regelrecht gefeiert, so dass ich gestaunt habe, dass sich gute Musik dann im Endeffekt trotzdem doch nicht durchsetzen kann, solange die Band kein spezielles Image hat oder nicht einer Szene zugeordnet werden kann.

Letten: Also bei den Nois-O-Lution-Bands ist es auf jeden Fall so, dass die Bands immer großartige Platten machen, wie du auch sagtest, aber dass auch immer nicht so ein greifbares Image da ist. Das macht so eine Geschichte ungleich schwerer.

Themawechsel. Wie kommt ihr eigentlich auf so intelligente Spitznamen wie Greif Hellhammer oder MC Straßenköter?

Letten: Das sind so bandinterne Scherze.

MC: Das sind einfach komische Namen. Einige haben auch mehrere Namen. Stiefel und… pff.

Also das entsteht dann so im Suff, kann man sagen.

Letten: Auch, aber nicht unbedingt.

MC: Nööö, nö.

(Für das folgende Brainstorming wird keine Garantie auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder gar korrekte Schreibweise übernommen. – Anm. d. Verf.)

Letten: Zum Beispiel der eine Gitarrist, Kentucky, was hat der für einen Namen? Kentucky…

MC: …Stiefel, Psychoratte…

Letten: …ähm, Andreas, also hier der andere Gitarrist J.R., Gerrard und Multimedia Asshole. Dann der Bassist Greif, Kreisch…

MC: …haha, Hellhammer, Glatzentrottel…

Letten: Das verändert sich eben auch so.

MC: …Räuchermännchen…

Letten: …Pimmelsack… der Drummer Fabrizio, Farbig, Fuck Sich… Letten, Leck Letten, Leo Deo, Schleck Schlecken, Steck Stecken, Lass Ma‘ Stecken… Köter…

MC: …Königspudel, MC Manfred… (allgemeine Heiterkeit)

Letten: Ne, also ist halt Flachs, Blödsinn. Wir haben damit aber angefangen und über die Jahre entwickelt sich das.

Ihr macht ja nun schon Altherrenmusik. (Tapfer bleiben Herr Letten. – Anm. d. Verf.) Können wir uns auch darauf freuen Smoke Blow noch mit 50 oder 60 auf der Bühne zu sehen?

Letten: Wenn’s Spaß macht.

Also humpelnde Opas wäre auch noch ’ne Variante!?

Letten: Ich meine, guck dir Lemmy an oder Manowar.

Manowar? Ich weiß gar nicht, wie alt die überhaupt sind.

MC: Das Alter ist egal, aber wenn ich so aussehen würde wie Manowar…

Letten: Höäh? Man muss einfach gucken, dass man das auch ansprechend rüberbringt. Wenn ich jetzt graue Haare habe und Plauze, dann muss ich nicht unbedingt über freien Oberkörper eine Lederweste anziehen.

MC: Das muss auch immer ein bisschen Stil haben…

Letten: …immer ein bisschen Style haben und dann geht das auch schon. Aber mit Style haben wir ja keine Probleme. (zu MC) Nä, du, Dicker?

MC: Nein, Schleck Schlecken, ham wir nich… lass ‚ma stecken.

Wie funktioniert das mit euren Tattoos und dem leichten Asi-Image, was man euch ja nachsagt, im Alltag?

Letten: Wir haben halt angefangen vor ein paar Jahren und haben diese Geschichte auch durchaus gefördert. Nicht, dass wir jetzt Asis sind, aber wir haben halt viel rumgeflachst, viel Quatsch gemacht und dann ist das weitergetragen worden und hat sich jetzt wie so verselbstständigt. Das ist eine Sache, da müssen wir halt mit leben. Aber ich glaube nicht, dass unsere Platten damit irgendwas zu tun haben. Vor allem „Dark Angel“ ist eine hochmusikalische, melodiöse Platte.

Ist es nicht so, dass dann zum Beispiel bei deiner Arbeit als Kindergärtner manche Eltern sagen: Hä, was sind Sie denn für ein Kinderschreck?

Letten: Nö, das kriegen die gar nicht mit. Das Eine ist Job und das Andere privat. Wir stehen ja nun nicht im Stern oder im Spiegel oder laufen am Nachmittag auf RTL. (An dieser Stelle ist Interview-Wechsel angesagt.)

Wollt ihr noch irgendwas loswerden, vielleicht irgendwelche Beschimpfungen?

MC: Hau ab, du Arschloch!

Hassen Bands es eigentlich Interviews zu geben?

Letten: Manchmal schon.

Also lieber schnell noch im Rausgehen das Foto verwackelt. Ein Gespräch und einen Fototermin später (Letten sonnenbebrillt bei bestem Regenwetter), hatte es das Duo dann auch hinter sich. Sie lebten schon noch, doch endlich konnte man sich den wirklich essenziellen Fragen widmen. In diesem Sinne: „Wo ist Karen?“

Galerie mit 22 Bildern: Smoke Blow - Reload Festival 2022
25.08.2005

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